Sonntag, 20. Juli 2014

Richten sich Rühreier auf Gott aus?

Der aktuelle Zeitungsbeitrag:
 
In Gesprächen, liebe Leserinnen und Leser, werde ich gefragt, wenn es denn Gott gibt, wie man ihn erfahren könne, wie man mit ihm in Kontakt treten und ein wie immer auch gestaltetes sinnvolles spirituelles Leben führen könne. - Wie also kann es gelingen, dass ich mich auf Gott ausrichte? Eine Frage die viele beschäftigt.
Eine verblüffend einfache Antwort darauf gibt der Paderborner Moraltheologe Peter Schallenberg. In seinem Buch „Wer ist Gott und was machen wir, wenn es ihn gibt?“ zitiert er den englischen Schriftsteller Gilbert Keith Chesterton (1874-1936): „Man mag die Ansicht vertreten, es stehe dem Menschen frei, sich für ein Rührei zu halten. Aber mit Sicherheit wiegt die Tatsache schwerer, dass er als Rührei nicht die Freiheit hat, zu essen, zu trinken, zu schlafen, spazieren zu gehen und eine Zigarette zu rauchen.“

 
„Was heißt das aber, auf Gott ausgerichtet zu sein?“, so Schallenberg weiter, „es heißt nichts anderes als zu glauben, ich selbst und jeder Mensch sei geliebtes Ebenbild Gottes und daher von unschätzbarem Wert, besser: von unzerstörbarer Würde, selbst und gerade über den Tod als Zerstörung der physischen Existenz hinaus. Der christliche Glaube an Gott will für den Menschen die bestmögliche Möglichkeit ansichtig machen. Dies ist in der Tat der Kern des christlichen Glaubens: glauben und fassen zu dürfen, man sei mehr als ein Zufallsprodukt der Evolution oder ein wohlerzogenes Kaninchen – oder eben ein Rührei.“
 
Es kommt vor aller spirituellen „Leistung“ also darauf an, sich von Gott gewollt, geliebt und angenommen zu wissen, zu wissen, eine nicht verlierbare Würde als Person und Persönlichkeit zu besitzen, egal wie verdreht und verschlungen mein Lebensweg auch ist. Wem dies wenigstens anfanghaft bewusst ist, liebe Leserinnen und Leser, der hat sich schon mehr auf Gott ausgerichtet, als er möglichweise selber gerade merkt.
 
 
 
 
 
 
 
 

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