Donnerstag, 3. Juli 2014

Thomas: Lob des Zweifels?

Zum Tage: Über die Begegnung des Thomas mit dem auferstandenen Christus, hier dargestellt von Thomas Jessen in der Kapelle der Kommende Dortmund, des Sozialinstituts des Erzbistums Paderborn, haben Peter Schallenberg und ich in unserem Buch über diese Kapelle folgendes geschrieben:
 

Mein Herr und mein Gott! Thomas gelangt vom Unglauben, vom Zweifel, vom Zögern zum Glauben, zur Sicherheit, zur Entschiedenheit. Er wagt den Sprung in die Herzmitte des Herrn. Thomas springt von der bloßen Religion, die sagt: „Es ist ein Gott!“ zum Glauben, der bekennt: „Es ist mein Gott!“ Wer zweifeln kann wie Thomas, braucht nicht zu verzweifeln. Er hat die Kraft zu entschiedenem Vertrauen und zu gefestigtem Glauben. Jesus hat den Zweifler Thomas nicht brüsk abgewiesen und ihn nicht verurteilt. Er hat ihm über seine Zweifel hinweg eine Brücke der liebenden Anschauung gebaut. So konnte der Glaube wachsen und sich versichern gegen die Zweifel des Außenstehenden.
Und doch: Ein Lob dem Zweifel? Ja – wenn der Zweifel nicht zum Zynismus und zur geistigen Trägheit verkommt. Wenn der Zweifel Aufbruch wird zur sehnsuchtsvollen Suche und zur Hoffnung auf die ewige Anschauung Gottes – dann stehen wir alle als Zweifler mit Thomas vor dem Auferstandenen und können sagen: „Mein Herr und mein Gott!“ Und die Seligpreisung Jesu gilt am Ende jedem Menschen guten Willens, der nach der Wahrheit sucht, und damit, ob er es weiß oder nicht, Gott sucht. Selig, die nicht sehen – denn das Wesentlichste, die Liebe des Herrn, ist für die Augen unsichtbar, für das Herz aber, das zum Herzen spricht, strahlend deutlich und klar.

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