Samstag, 31. Mai 2014

Mein erster Katholikentag!

Mein erster Katholikentag war dieser hier:


Den Sticker habe ich gestern quasi als Dachbodenfund wiederentdeckt. Damals sind wir von St. Kamillentee aus nach Düsseldorf (was nicht wirklich weit weg ist) zum Abschlussgottesdienst gefahren. Ich kann mich nur noch daran erinnern, dass die friedensbewegte Menge ohne Ende "Herr, gib uns deinen Frieden" sang, so dass Kardinal Höffner, als diözesaner Gastgeber und DBK-Vorsitzender war er Hauptzelebrant, Mühe hatte, irgendwann einmal mit der Messe fortzufahren. Es war wie ein mutiges "We shall overcome" gegen das kirchliche Establishment. Als ob die deutschen Bischöfe den NATO- Doppelbeschluss unterschrieben hätten...
Und dann hat mir meine Mutter vorhin noch erzählt, dass sie mit meinem Vater 1968 bei dem berüchtigten Protest-Katholikentag in Essen war.
Bei manchen Zeiten ist es auch gut, dass sie lange her sind...

Mittwoch, 28. Mai 2014

Christi Himmelfahrt - Abschied und Veränderung

Der Zeitungsbeitrag zum Hochfest Christi Himmelfahrt:
 
Vierzig Tage nach Ostern, liebe Leserinnen und Leser, feiern wir das Hochfest Christi Himmelfahrt. Die Heilige Schrift berichtet wie Christus nach seiner Auferstehung seinen Jüngern erschienen ist, ja sogar mit ihnen gegessen und getrunken hat. Nun wird er, so schildert Lukas in der Apostelgeschichte, „vor ihren Augen erhoben und eine Wolke entzog ihn ihren Blicken“. Das ist nicht ganz leicht zu begreifen und auch die Jünger brauchen dazu gleich zwei Engel die ihnen erklären: „Ihr Männer von Galiläa, was steht ihr da und schaut gen Himmel? Dieser Jesus, der von euch weg in den Himmel aufgenommen wurde, wird ebenso wiederkommen, wie ihr ihn zum Himmel habt auffahren sehen.“
Das Markusevangelium, etwas älter als die Apostelgeschichte, hält sich allerdings mit dem Staunen der Jünger gar nicht auf. Dort heißt es nach der Himmelfahrt ganz einfach: „Sie aber gingen hin und predigten überall.“ Diese Himmelfahrt Christi soll also wohl nicht wie ein unerklärliches Naturereignis bestaunt werden, sondern etwas in Bewegung setzen.
 
 
Viele tun sich mit Abschieden schwer. Wie gelähmt und erstarrt fühlt man sich in solchen Situationen, möchte man doch etwas festhalten das man nicht festhalten kann. Nicht anders geht es den Jüngern beim Abschied Jesu und seiner Auffahrt in den Himmel. Sie stehen einfach da und schauen gen Himmel. Jeder von uns hat wahrscheinlich schon einmal in irgendeiner Form Trennung erlebt, hat Menschen nachschauen müssen, die gegangen sind. Kein Abschied ist endgültig, sagt die christliche Hoffnung, aber schwer bleibt es trotzdem. Jedem möchte man dann diese zwei Engel wünschen, die ihm zur Seite stehen. Aber da Abschiede ja immer Veränderung bedeuten, haben sie auch einen dynamischen Anteil, das Verhalten der Jünger zeigt uns das sehr deutlich. Vielleicht haben Sie, liebe Leserinnen und Leser, das auch schon erlebt: Manchmal setzen Abschiede auch bislang ungeahnte und ungekannte Kräfte frei, manchmal lassen uns Abschiede auch wachsen, reifen und stärker werden.  „Und der Herr wirkte mit ihnen“ heißt es dann im Markusevangelium. Das gilt nicht nur den Jüngern damals, sondern ist auch eine Zusage an jeden von uns.
 
 

Freitag, 23. Mai 2014

"Als hätten wir im Gottesdienst etwas zu kapieren"

"Textchen, Gestchen, Themchen mit Modellgottesdiensten gehen an der Sinnspitze liturgischer Sequenzen oft vorbei und wirken nicht selten, als sollten sie die eigene Hilflosigkeit mit viel Anderem zustellen; hauptsächlich mit Lernzielen. Als hätten wir im Gottesdienst Mal für Mal - wie ein einer Volkshochschule - etwas zu kapieren. Der Aufwand, zu dem viele anfeuern, ist bisweilen immens. Doch wenn nicht meine ganz normale Liturgie etwas 'Besonderes' ist, werde ich mich vor lauter vermeintlicher Zielgruppenorientierung und Gimmick-Suche auf eine ständige Jagd nach dem Besonderen machen. Eine Hatz, die atemlos macht. Wenn man das tragende Fundament nicht findet, nämlich ein Vertrauen auf die Basics der Liturgie hat, und dies darzustellen weiß, geraten Leitung und Liturgiekreise unter ein Innovationsdiktat, das ermüdet."

Dr. Peter Hahnen, Leiter des Geistlichen und Kulturellen Zentrums Kloster Kamp, in: Königskinder? - Jugend und Liturgie, Gottesdienst 10/2014, 85f.

Baustelle Kirche: Schade, schade...

"Schade, schade" ist ein Artikel im neuen Pfingstbrief von St. Kamillentee betitelt. Darin beschreibt eine Dame aus der Gemeinde, wie sie an zwei besonders vorbereiteten Gottesdiensten in den beiden Kirchen des Pastoralverbundes teilgenommen hat. Und mit "Schade, schade" ist gemeint, dass trotz der vielen Arbeit im Vorfeld nur sehr wenige andere Menschen diese Gottesdienste besucht haben. Diese Enttäuschung kann ich gut verstehen und ich habe durchaus Respekt vor der vielen Mühe, die sich die Vorbereitenden gegeben haben.
Aber vielleicht liegt ja darin auch der Knackpunkt. In dem Artikel werden die Gottesdienste geschildert: "Ich betrete die Kirche kurz vor 18 Uhr und stutze", schreibt die Dame, "Was ist denn hier los? - Rot-weißes Flatterband - Absperrkegel - Baustelle??? Ja! - Die Pfadfinder haben den Gottesdienst vorbereitet und die Kirche als Baustelle empfunden und dargestellt. (...) Die Pfadfinder haben Gebete und Fürbitten vorbereitet, die sie selbst vortragen, und besondere Lieder und einen lustigen Gag für den Stufenwechselvorgang." Und über den zweiten Gottesdienst heißt es: "Und wieder hatten sich Menschen viel Mühe gemacht, alles vorbereitet - Thema, Gebete, Lieder - aber auch den Recorder mit der Musik angeschleppt, die Stellwand mit den Gebeten der letzten Sonntag, Stifte, Papier."

Baustellendekoration, lustige Gags, Recorder, Stellwand, Stifte, Papier... Ist es nicht gerade das, was viele Menschen davon abhält zu kommen? Noch einmal: Keinesfalls soll das Engagement der Vorbereitenden abgewertet werden, außerdem war ich ja auch nicht dabei. Aber sind nicht die Baustelle und der Moderationskoffer, wie Michael Kunzler sagen würde, Wiederholung des Alltags an heiliger Stätte? Die ganze Woche über ärgern mich Baustellen wenn ich mit dem Auto unterwegs sein muss, und manchmal nerven mich auch die Stellwände und Stifte mit denen ich oft genug zu tun habe. Ist es denn nicht genau das, was ich in der Kirche nicht haben möchte?

Wirklich "schade, schade"!

Freitag, 16. Mai 2014

Namenstag!

"vorgestellt-nachgedacht" hat heute Namenstag! Dazu ein Bild des hl. Johannes Nepomuk aus der Stadtpfarrkirche zu Hermagor / Kärnten:


Heute ist deswegen aber leider kein arbeitsfreier Feiertag: Also ab an die Schüppe...
Allen einen schönen und sonnigen Tag!

Freitag, 2. Mai 2014

Der "Fall Anneliese Michel" - eine kurze Rezension

Soeben habe ich die Lektüre des Buches "Der Fall Anneliese Michel - Kirche, Justiz, Presse" beendet. Es handelt sich hierbei um die in diesem Jahr erschienene Dissertation von Petra Ney-Hellmuth am Lehrstuhl für Neueste Geschichte der Universität Würzburg. (Würzburg 2014, 300 S.). In mehreren auch katholischen Medien ist darüber berichtet worden. Aufgrund eigener wissenschaftlicher Annäherungen an das Thema "Exorzismus" war ich auf diese Veröffentlichung recht gespannt.
Zunächst ist zu sagen, dass Petra Ney-Hellmuth die Möglichkeit hatte, auf bislang unzugängliche Dokumente wie z.B. die Akten der Kriminalpolizei und der Staatsanwaltschaft Aschaffenburg oder des Diözesanarchivs Würzburg zuzugreifen. Hinzu kommt, dass sie als Historikerin keine kirchenpolitischen Ziele verfolgt, sondern in sehr sachlich-nüchterner und ausführlicher Weise ihre Forschungsergebnisse darlegt. Dabei verliert sie sich nicht in Details und das Buch bleibt trotz des wissenschaftlichen Anspruchs einer Dissertation angenehm lesbar.
Es gliedert sich in fünf Hauptteile: 1. Darstellung der Klingenberger Ereignisse; 2. Unmittelbare Reaktionen der Öffentlichkeit und Stellungnahmen zum "Fall Anneliese Michel"; 3. Der "Fall Anneliese Michel" und die Medien: Schlagzeilen, Kommentare und Leserbriefe 1976-1978; 4. Die katholische Kirche in der Krise: Konziliare Reformen, Traditionalismus und moderne Gesellschaft; 5. Darstellungen zum Thema "Exorzismus": Vorgeschichten und Publikationen zum "Fall Anneliese Michel".
Hier ist nicht der Ort, die ganzen Geschehnisse um die gescheiterten Exorzismen und den Krankheitsverlauf und schließlich den Tod der jungen Studentin Anneliese Michel 1976 auszubreiten, dies kann man bei Petra Ney-Hellmuth detailliert nachlesen. Auch gelingt es ihr, die beteiligten Personen, ihre Familie, ihre religiöse Umgebung, die hinzugezogenen Priester und nicht zuletzt Bischof Stangl von Würzburg, und deren handlungsleitenden Motive gut herauszuarbeiten. Sehr ausführlich stellt sie auch die unterschiedlichen Stellungnahmen und Reaktionen in den Medien, Leserbriefen oder Zuschriften an Bischof Stangl dar.
Allein das zu lesen macht schon sehr nachdenklich, besonders die bedrückende religiöse Atmosphäre in Michels Umfeld mit der fatalen Geheimhaltung und dem damit verbundenen bewussten Verzicht auf ärztliche Hilfe.
Richtig ins Grübeln kommt man aber, wenn man verfolgt, wie Anneliese Michel und ihre vermeintlichen "Botschaften" gegen die nachkonziliare Kirche instrumentalisiert wurden (und wohl in manchen Kreisen auch noch werden). Dazu muss man schon ganz schön abgebrüht sein, Toncassetten von den Exorzismen für 5.- DM auf Schulhöfen mit schönen Grüßen aus Econe zu verkaufen. Ich selbst habe diese Cassetten bei einem Studienkollegen gehört. Diese Instrumentalisierung hat nichts mehr mit Konservativismus und Traditionalismus zu tun, hier geht es um schwer erträgliche perverse Missbräuche von Religion. - Was aber jetzt meine Wertung ist, Petra Ney-Hellmuth schildert dies ganz historisch-neutral. -
Eine zweite, ebenfalls schamlose Instrumentalisierung geschieht von der modernistischen Gegenseite: Der "Fall" wird dazu benutzt, die kirchliche Lehre vom Teufel und den Dämonen grundsätzlich abzulehnen und als mittelalterlich-überholt abzutun, auch dies oft vorgetragen in einer polemisch-aggressiven Häme und vermeintlich intellektuell-reflektierter Überlegenheit bei der auch nicht deutlich wird, dass hier eigentlich Christen mit bzw. über Christen sprechen.
Petra Ney-Hellmuth gelingt es, dies alles in einen gesamtgesellschaftlich-kirchlichen Kontext der späten 60er und 70er Jahre des letzten Jahrhunderts zu stellen, beginnend mit Konzil und Liturgiereform, über den "Protestkatholikentag" in Essen, die Grabenkämpfe um die Handkommunion bis zu "Humanae vitae" und der Würzburger Synode. Durch die Darstellung des damaligen "Klimas" lassen sich Denken und Handeln der Akteure leichter erschließen und nachvollziehen. Außerdem liefert sie einen interessanten Ausblick auf die Wirkungsgeschichte des "Fall Anneliese Michel" bis heute.
Wichtig ist, dass es weder ein theologisches noch gar ein katechetisch-missionarisches Buch zum Thema Teufel und Dämonen ist, sondern eine Dissertation in Geschichtswissenschaft. Also immer dort, wo es dem frommen Leser etwas zu karg und dürr wird, sollte man gewissenserforschend über die eigenen Motive in sich gehen und dann der Historikerin für ihre Distanz dankbar sein.
Lesenswert!