Samstag, 25. April 2015

"Früher war mehr Ostern" - oder: Der Osterblick

Der aktuelle Zeitungsbeitrag:

Von einem Osterfenster, liebe Leserinnen und Leser, könnte man eigentlich mehr erwarten, zumindest mehr Farbe. Und dennoch ist dieses Glasfenster in der Kapelle unseres Gästehauses St. Elisabeth in Wanne ein echtes Osterfenster: „Fürchtet euch nicht, ihr sucht Jesus, er ist auferstanden“ können wir unten im Fenster lesen. Damit erschließt sich auch das zunächst triste Fenster ganz neu: Auf einmal werden Mauern sichtbar die überwunden werden und eine dynamische Aufwärtsbewegung wird erkennbar.

„Früher war mehr Ostern“, so könnten wir frei nach Loriot sagen, denn angesichts so vieler negativer und trauriger Erfahrungen von Abschied und Tod, angesichts so vieler Kreuzwege, fällt es einem schwer, an die befreiende und hoffnungsvolle Botschaft der Auferstehung zu glauben. Aber trotzdem gilt auch jedem von uns der Satz: „Fürchtet euch nicht, ihr sucht Jesus, er ist auferstanden“.

Vielleicht kann das auch für uns eine Lesehilfe sein, unser Leben neu zu erschließen, ähnlich wie bei diesem Glasfenster. Das Leben von Ostern her zu sehen kann bedeuten, sich immer gewisser werden zu können, dass Gewalt, Tod, Trauer und Verzweiflung nicht das Letztgültige sind. Darauf immer mehr vertrauen zu können, dass es trotz aller Rückschläge eine unzerstörbare Hoffnung auf Leben und Gerechtigkeit bei Gott gibt. Und letztlich glauben zu können, dass unser eigener Weg und der unserer Verstorbenen nicht im Nichts endet.

Das ist alles viel, liebe Leserinnen und Leser, aber Glauben ist auch immer gleichermaßen Verheißung und Zumutung. Der Osterblick ergibt sich selten direkt und auffällig. Er ist manchmal klein und unscheinbar wie die Schrift in diesem Fenster. Aber er ist da.

Ich wünsche Ihnen und Ihren Familien, Angehörigen und Freunden, dass Sie ihn für sich entdecken. – Einen schönen 4. Ostersonntag!


 

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