Samstag, 23. Mai 2015

Pfingstdynamik - oder: Wie Christen miteinander umgehen...

In diesem Jahr haben wir für die Kapelle des St. Anna Hospitals eine besondere Osterkerze im Kloster der Karmelitinnen in Witten anfertigen lassen. Neben den „klassischen“ Ostersymbolen weist sie schwungvoll in Rot und Orange auf die Feuerzungen des Pfingstfestes hin.

Pfingsten beendet nicht nur nach 50 Tagen die Osterzeit, beide Feste sind ohne einander nicht denkbar: Ohne die Erfahrung der Auferstehung Jesu hätte sich die Gemeinschaft der Jünger wahrscheinlich nach seinem Tod irgendwann einmal resigniert zerstreut und es hätte kein Pfingsten als Aufbruch der jungen Kirche gegeben. Und über die Auferstehung konnten die Jünger nicht schweigen, beseelt vom Geist Gottes drängte es sie förmlich in die Welt hinaus. In der Apostelgeschichte fasziniert es mich immer wieder diese Dynamik der Ausbreitung der Kirche in der ganzen damals bekannten Welt zu verfolgen.
Und heute? Dynamik ist vielleicht nicht unbedingt das erste Stichwort, das man mit Kirche verbindet. Gründe dafür gibt es viele und so wie die jeweilige „kirchenpolitische“ Ausrichtung ist, so sehen dann auch die Lösungen aus. Klagen tun alle und jeder hat natürlich Recht. Oder meint es zumindest: „Ich habe Probleme mit der Unfehlbarkeit. Also der von anderen…“
Wenn man in die Apostelgeschichte oder die Briefe des Neuen Testaments schaut, dann wird deutlich, dass Auseinandersetzungen und Meinungsverschiedenheiten über den richtigen Weg der Kirche von Anfang an dazu gehörten, ja selbst die „Apostelfürsten“ Petrus und Paulus bekommen sich gewaltig in die Haare. Heißt das nun, dass Streit einfach nun mal dazu gehört? Ja und Nein.
Ja, weil Auseinandersetzungen auch Klärungen und Entwicklungen bedeuten können. Aber da kommt es dann schon darauf an, wie gestritten wird, Talkshows und Politik sollten da für Christen keine Vorbilder sein. Und Nein, weil es unter den Christen immer mehr Verbindendes als Trennendes geben sollte. Dazu braucht es den Heiligen Geist. Vielleicht können wir uns zu Pfingsten das Gebet der Antiphon „Veni Sancte Spiritus“ zu eigen machen, in einer frühen deutschen Übersetzung aus dem 15. Jahrhundert lautet es: „Komm, Heiliger Geist, Herre Gott, erfüll mit deiner Gnaden Gut deiner Gläub’gen Herz, Mut und Sinn, dein brennend Lieb entzünd in ihn’. O Herr, durch deines Lichtes Glanz zum Glauben du versammelt hast das Volk aus aller Welt Zungen. Das sei dir, Herr, zu Lob gesungen.“ – Allen ein frohes Pfingstfest!

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