Mittwoch, 12. August 2015

Bundesliga geht wieder los - oder: Was bin ich eigentlich?

Neulich habe ich ein Gespräch zwischen zwei Männern mitbekommen. Der eine fragte: „Was bist Du eigentlich, evangelisch oder katholisch?“ – „Ich bin Schalker!“ sagte der andere ohne groß nachzudenken und im Brustton der Überzeugung.
Tja, liebe Leserinnen und Leser, was bin ich eigentlich? Eine Frage, die uns durch das ganze Leben begleiten kann. Hier ein paar Antwortversuche:
Ich bin Wanner. Ich bin Herner. Ich bin Wittener. Ich bin Deutscher. Ich bin Christ. Ich bin Europäer. Ich bin Ruhrgebietler. Ich bin Schalker, Bochumer oder Dortmunder. Und so weiter und so weiter. Und dann kommen noch meine ganzen Eigenschaften und Befindlichkeiten: Ich bin gesund oder krank, schlau oder naturtrüb, groß, klein, dick dünn, mutig, ängstlich, traurig, glücklich.
Ich bin, ich bin, ich bin. Die Liste ließe sich wahrscheinlich endlos fortsetzen. Aber kann ich diese Liste irgendwie sortieren oder bin ich von allem etwas?

Die theologische Anthropologie, liebe Leserinnen und Leser, also die Lehre vom Menschen, gibt eine grundlegende Antwort: Ich bin erst einmal und immer, vom ersten bis zum letzten Augenblick meines Lebens, Mensch. Egal wie alt oder jung, gesund oder krank, froh oder unglücklich. Die Theologie geht sogar noch weiter und sagt: Ich bin nicht nur Mensch als mehr oder weniger sinnvolle Kombination meiner Körperzellen, sondern ich bin Person. „Personare“, also „durchklingen“ bedeutet, dass in mir etwas von dem durchklingt der mich erschaffen hat, der mich von Ewigkeit her gedacht, gewollt und angenommen hat. Nämlich Gott. Und warum tut Gott das? Gott tut es, weil er die Liebe ist und auch mich liebt. Und diese Liebe gilt. Wiederum egal in welchem Zustand ich mich befinde. Das Wissen um das eigene Menschsein und Personsein hat etwas mit Selbstwert und Selbstbewusstsein zu tun und das wäre wichtig, gerade dann wenn es einem schlecht geht.
Und noch ein Gedanke und damit kurz zurück zum Fußball: Diese Liebe Gottes und diese Personwürde gilt nicht nur mir, sondern jedem Menschen.
Und, jetzt tief durchatmen liebe Schalker, das gilt auch für Dortmunder. Oder auch für Flüchtlinge und Asylbewerber. Oder Christen. Es ist dringend angesagt, miteinander friedlich und respektvoll umzugehen. Nicht allein aus Höflichkeit, sondern weil der andere genau so Mensch ist wie ich.

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