Sonntag, 28. Juni 2015

28. Juni: Ich bin Traditionalist.

Ich bin Traditionalist. - Na, liebe Leserinnen und Leser, spüren Sie schon den Widerstand in Ihnen aufsteigen? Der böse Vorgängerpapst, Latein, Weihrauch, Rücken zum Volk, das kann doch wohl nicht wahr sein! – Das kann nur für diejenigen nicht wahr sein, die meinen, die katholische Kirche wäre vor 50 Jahren beim Zweiten Vatikanischen Konzil neu erfunden worden. Nun muss man ein paar Dinge klarstellen, wenn man wissenschaftlich redlich bleiben und dem Konzil kein Unrecht tun will: Das Konzil hat weder das Latein noch den Hochaltar abgeschafft und übrigens feiern die ganzen Tradi-Gruppen in der Kirche die Liturgie genau so, wie sie der selige Konzilspapst Johannes XXIII. (ja genau der mit dem „Fenster öffnen“ in der Kirche) 1962 festgelegt hat. Nicht unbedingt mein Ding, ist aber trotzdem so. Und die blutarme nachkonziliare Liturgiereform hat ehrlicherweise mit der wunderbaren Liturgiekonstitution des Konzils selbst nicht mehr viel zu tun. Andererseits hat das Konzil auch nicht die Mantelalbe und die unerträglich wortreichen Einführungen und Überleitungen in der Messe eingeführt. Das alles wird heute nicht gern gehört.
Aber es stimmt ja nun auch, dass viele Menschen Tradition als etwas Belastendes, Einengendes und Schwerfälliges empfinden. Da ist natürlich auch etwas dran und hier muss der Traditionalist fein unterscheiden: „Muffig“ heißt, alles ist per se gut, wenn es alt ist. Und das ist natürlich Quatsch, es geht ja nicht um scheuklappenartige Fortschrittsverweigerung oder um Denkverbote. Auch die Theologie muss, wenn sie mehr als auswendiggelerntes Katechismuswissen sein will, anschlußfähig an andere Wissenschaften sein und mit ihrer Unterstützung zu neuen Erkenntnissen und Bewertungen gelangen. Ja, das gilt dann auch für das Lehramt. Und  dass es hier in einigen Dingen dringenden Reformbedarf gibt, steht völlig außer Frage.
Aber wenn mir heute nach 50 Jahren Konzil immer noch jemand vorschwärmt, man müsse endlich "neue Formen" finden, dann ist wohl gewaltig was schiefgelaufen. Zumindest fragt man sich, ob sich neben den Formen auch jemand um die Inhalte kümmert.
Nein, Tradition, also Überlieferung, ist das, was der heutige Tagesheilige Irenäus von Lyon so definiert: Zu glauben ist das, was in allen katholischen Gemeinden unvermindert und unverändert seit der Zeit der Apostel als christliche Lehre von einer Generation an die andere weitergegeben wird. „Wo die Kirche ist, da ist der Geist Gottes“, sagt Irenäus.
 
 
Der positive Sinn von Tradition bedeutet also, wie ein Baum aus seinen Wurzeln Kraft zu schöpfen, sich in etwas beheimatet zu fühlen, sich einer Sache sicher sein zu können, am Erfahrungsschatz anderer teilhaben zu können, nicht jeden Gedanken anstrengend neu denken zu müssen. Für den Glauben ist es ganz wichtig, sich auf etwas verlassen zu können. Als Christ darf ich darauf vertrauen, dass der Geist Gottes in seiner Kirche wirkt, auch jetzt in schwierigen Zeiten und auch nicht erst seit 50 Jahren. Gönnen Sie sich ein wenig Tradition, liebe Leserinnen und Leser, Sie werden verblüfft feststellen, dass es das Leben leichter macht!

Samstag, 20. Juni 2015

"Jesus rettet!" - Gedanken zum Evangelium

An diesem Wochenende durfte ich die "Gedanken zum Evangelium" in der Kirchenzeitung des Erzbistums Paderborn schreiben:

http://www.derdom.de/Jesus-rettet.6681.0.html

Vielleicht gefällt es ja...

Mittwoch, 3. Juni 2015

Fronleichnam: Gottes Liebe ist echt.

Der aktuelle Zeitungsbeitrag:
Das Fronleichnamsfest, liebe Leserinnen und Leser, geht auf eine Vision der hl. Juliana von Lüttich (+1258) zurück, 1246 wird es dort eingeführt, 1264 als Fest auf die ganze Kirche ausgedehnt. Übersetzt ins Hochdeutsche heißt der Name so viel wie „lebendiger Leib des Herrn“, der offizielle liturgische Titel lautet „Hochfest des Leibes und Blutes Christi“. Unser Bild zeigt die Prozession in St. Marien zu Witten.


Die Christen gedenken heute der Glaubensüberzeugung, dass Christus mit seinem Leib und seinem Blut in den Gaben von Brot und Wein wirklich gegenwärtig ist, auch wenn die äußere Gestalt von Brot und Wein erhalten bleibt. „Transsubstantiation“ nennt man das in der Theologie und der heilige Thomas von Aquin drückt es dann in der Fronleichnamssequenz so aus: „Wie des Christen Glaube lehret / Brot in Christi Fleisch sich kehret / und in Christi Blut der Wein. / Unter beiderlei Gestalten / die als Zeichen hier nur walten / birgt sich göttliche Substanz.“ 

Zugegeben, „Transsubstantiation“ ist nicht leicht verstehbar, und auch gerade in der Ökumene gehen Katholiken und Protestanten dabei getrennte Wege. Was ist für uns dabei wichtig? Ich meine, vor allem dies: Gott liebt den Menschen als sein Geschöpf und Abbild. Und Gottes Liebe ist echt: Gott spielt nicht und Gott trickst nicht. Wenn er, wie verheißen, bei den Menschen sein will, dann will er nicht so tun als ob oder es nur irgendwie sein. Nein, er will es ganz sein, sozusagen mit Haut und Haaren. Gott will so sehr bei uns gegenwärtig und für uns da sein, dass er sich sogar durch unsere alltäglichen Straßen tragen läßt. Daran kann uns das Fronleichnamsfest erinnern und so könnten es doch Katholiken und Protestanten eigentlich gemeinsam feiern. Vielleicht, liebe Leserinnen und Leser, machen Sie einfach den Anfang und gehen Fronleichnam mal wieder zur Prozession!