Samstag, 29. August 2015

Komm zur Ruhr! - und besuche profanierte Kapellen...

"Katholisch im Ruhrgebiet" heißt ja dieser leider immer recht vernachlässigte Blog, also passt es: Gestern waren wir einmal wieder am Schloß Steinhausen oberhalb des Muttentales, also dort, wo der Erzählung nach der berühmte Hirtenjunge die erste Kohle im Ruhrgebiet gefunden hat.
Die Kapelle von Steinhausen ist für die Katholiken unserer Stadt insofern wichtig, da sie der einzige Ort war, an dem von der Reformation bis ins 19. Jahrhundert die hl. Messe gefeiert wurde, waren doch die einstigen Schloßherren katholisch. Über viele Jahrzehnte war die Kapelle vernachlässigt und verschlossen.
Heute kann man hier standesamtlich heiraten, also quasi säkular mit "Kirchenatmosphäre". Das muß man nicht unbedingt toll finden, allerdings wird die Kapelle dadurch erhalten und von den Pächtern des sehr empfehlenswerten Restaurants recht liebevoll gepflegt. Außerdem heiraten die Paare im Angesicht des Kreuzes und eines Heilandes, der ein Herz für jeden Menschen hat. Das kann ja nicht schlecht sein.
Die heutige Ansicht ist das Ergebnis einer Renovierung im Geist des Historismus Anfang des 20. Jahrhunderts. Sehenswert!




 








Freitag, 28. August 2015

Zum Tage: Wie kommt der Mensch dazu, Gott zu lieben?

"Es gibt keinen, der nicht liebt. Nur fragt sich, was er liebt. Es wird also nicht von uns verlangt, das Lieben aufzugeben, sondern zu wählen, was wir lieben wollen. Doch was wählen wir, wenn wir nicht zuvor erwählt werden? Wir lieben ja auch nicht, wenn wir nicht zuvor geliebt wurden. Wenn du darüber nachdenkst, wie der Mensch dazu kommt, Gott zu lieben, findest du nur einen Grund: Gott hat ihn zuvor geliebt."

Augustinus (+430)

Donnerstag, 27. August 2015

27. August: Mütter und Kinder und das ewige Leben

Das oft wechselvolle Verhältnis zwischen Müttern und Kindern ist für uns häufig ein großes und belastendes Thema. Vielleicht tröstet es ein wenig, dass selbst große Gestalten wie der heilige Augustinus damit schon so ihre Schwierigkeiten hatten, jedem sei dazu die Lektüre seiner „Confessiones - Bekenntnisse“ wärmstens empfohlen.
Heute möchte ich daraus wiedergeben, was Augustinus über den Abschied von seiner Mutter erzählt, weil ich diese Geschichte sehr anrührend finde - und weil er mit seiner Mutter über Sterben und Tod reden kann, jeder der schon einmal versucht hat, mit seinen Eltern eine Patientenverfügung abzufassen, wird wissen, dass das kein einfaches Thema ist. Augustinus berichtet also:
„Der Tag kam, an dem Monika aus diesem Leben scheiden sollte; da geschah es, dass wir, sie und ich, allein beieinander standen, an ein Fenster gelehnt, von dem aus man in den Garten des Hauses schaute, in dem wir wohnten. Es war in Ostia am Tiber, wohin wir uns vor dem Menschengewimmel zurückgezogen hatten, um uns nach den Anstrengungen der langen Reise vor der Seefahrt zu erholen. Wir unterhielten uns also allein in herzlichem Gespräch, vergaßen, was hinter uns lag, und streckten uns aus nach dem, was vor uns war. Wir fragten uns, wie wohl das ewige Leben sein wird, das ‚kein Auge gesehen und kein Ohr gehört hat und das keinem Menschen in den Sinn gekommen ist.’ In diese Richtung bewegte sich meine Rede, wenn auch nicht genau mit diesen Worten, aber über diesen Reden verflüchtigte sich uns an jenem Tag die Welt. Einige Tage später wurde sie immer schwächer und sprach zu meinem Bruder und mir: ‚Begrabt diesen Leib irgendwo, macht euch keine Sorge um ihn; nur darum bitte ich: Wo immer ihr seid, denkt an mich am Altar Gottes!’ Nachdem sie diesen Gedanken, so gut sie es konnte, ausgesprochen hatte, schwieg sie.“
Wie wird wohl das ewige Leben sein? Wer glauben kann, dass es einen Himmel gibt, wird immer eine Brücke zueinander finden, auch über dieses Leben hinaus in die Ewigkeit.

Dienstag, 25. August 2015

Zum Tage

Zwei bemerkenswerte Zitate der heutigen Tagesheiligen:

"Schlag dich stets eher auf die Seite der Armen als auf die der Reichen, bis du sicher bist, die Wahrheit gefunden zu haben."
Ludwig IX. von Frankreich (+1270)


"Wer das Amt eines Lehrers annimmt und es mit Eifer und Gewissenhaftigkeit ausüben will, braucht viel Liebe, größte Geduld und vor allem eine tiefe Demut."
Josef von Calasanza (+1648)

Sonntag, 23. August 2015

Am Ende Europas...

"Wo das Land endet und das Meer beginnt", so bezeichnet Portugals Nationaldichter Luis de Camoes vor 500 Jahren das Cabo de Sao Vicente und Ponta de Sagres, die zusammen die Südwestspitze Europas bilden. Hier ein paar Eindrücke von einigen schönen Tagen an der Algarve:

Unter Heinrich dem Seefahrer (1394-1460) war die Fortaleza de Sagres ein Wissenschaftszentrum, in dem Geografen, Astronomen und Seefahrer aus mehreren Ländern ihre Kenntnisse zusammentrugen:

 
 
 
 
Das nächste Bild ist zwar auch eine Erkenntnis, geht aber nicht auf Heinrich den Seefahrer zurück:

 
Hier das Cabo de Sao Vicente, einstmals eine Festung mit Kloster und Pilgerhaus:

 
 
Sehr eindrucksvoll ist die Kathedrale von Silves, im 13. Jhdt. über einer früheren Moschee erbaut:

 
 
 
 
 
Hier die in unmittelbarer Nähe gelegene Igreja da Misericordia:

 
Das abgeschieden gelegene Städtchen Aljezur bietet zwei etwas schrullige Museen, in dem einen hat ein Monsignore Sakralkunst gesammelt, in dem anderen geht es um den hl. Antonius:

 
 
Ermida de Nossa Senhora de Guadelupe: Hier in die älteste Kirche der Algarve zog sich Heinrich der Seefahrer zum Gebet zurück. Heute erinnert u.a. ein Informationszentrum an die Vergangenheit Portugals als Großmacht, an der übrigens mit dem Christusorden die in Portugal nicht aufgehobenen sondern lediglich umbenannten Templer entscheidend beteiligt waren.

 
 
Zum Schluß noch ein paar Eindrücke aus Lagos. Phönizier, Griechen, Karthager, Römer, Araber und dann ab Mitte des 13. Jhdts. endgültig die Portugiesen haben hier ihre Spuren hinterlassen:

 
 
Unrühmliches Kapitel: 1444 wurden hier im Gebäude der Zollbehörde die ersten schwarzafrikanischen Sklaven zur Schau gestellt, im 16. Jhdt. war der Sklavenhandel Haupteinnahmequelle Portugals.
 
 
 
Und ansonsten waren die Menschen sehr freundlich und Essen und Trinken hervorragend. - "Ihr könnt ja nur Kroatien!" lästern die Kollegen gelegentlich. Also, es geht auch woanders ;-)

Mittwoch, 12. August 2015

Bundesliga geht wieder los - oder: Was bin ich eigentlich?

Neulich habe ich ein Gespräch zwischen zwei Männern mitbekommen. Der eine fragte: „Was bist Du eigentlich, evangelisch oder katholisch?“ – „Ich bin Schalker!“ sagte der andere ohne groß nachzudenken und im Brustton der Überzeugung.
Tja, liebe Leserinnen und Leser, was bin ich eigentlich? Eine Frage, die uns durch das ganze Leben begleiten kann. Hier ein paar Antwortversuche:
Ich bin Wanner. Ich bin Herner. Ich bin Wittener. Ich bin Deutscher. Ich bin Christ. Ich bin Europäer. Ich bin Ruhrgebietler. Ich bin Schalker, Bochumer oder Dortmunder. Und so weiter und so weiter. Und dann kommen noch meine ganzen Eigenschaften und Befindlichkeiten: Ich bin gesund oder krank, schlau oder naturtrüb, groß, klein, dick dünn, mutig, ängstlich, traurig, glücklich.
Ich bin, ich bin, ich bin. Die Liste ließe sich wahrscheinlich endlos fortsetzen. Aber kann ich diese Liste irgendwie sortieren oder bin ich von allem etwas?

Die theologische Anthropologie, liebe Leserinnen und Leser, also die Lehre vom Menschen, gibt eine grundlegende Antwort: Ich bin erst einmal und immer, vom ersten bis zum letzten Augenblick meines Lebens, Mensch. Egal wie alt oder jung, gesund oder krank, froh oder unglücklich. Die Theologie geht sogar noch weiter und sagt: Ich bin nicht nur Mensch als mehr oder weniger sinnvolle Kombination meiner Körperzellen, sondern ich bin Person. „Personare“, also „durchklingen“ bedeutet, dass in mir etwas von dem durchklingt der mich erschaffen hat, der mich von Ewigkeit her gedacht, gewollt und angenommen hat. Nämlich Gott. Und warum tut Gott das? Gott tut es, weil er die Liebe ist und auch mich liebt. Und diese Liebe gilt. Wiederum egal in welchem Zustand ich mich befinde. Das Wissen um das eigene Menschsein und Personsein hat etwas mit Selbstwert und Selbstbewusstsein zu tun und das wäre wichtig, gerade dann wenn es einem schlecht geht.
Und noch ein Gedanke und damit kurz zurück zum Fußball: Diese Liebe Gottes und diese Personwürde gilt nicht nur mir, sondern jedem Menschen.
Und, jetzt tief durchatmen liebe Schalker, das gilt auch für Dortmunder. Oder auch für Flüchtlinge und Asylbewerber. Oder Christen. Es ist dringend angesagt, miteinander friedlich und respektvoll umzugehen. Nicht allein aus Höflichkeit, sondern weil der andere genau so Mensch ist wie ich.