Dienstag, 9. Februar 2016

Fastenzeit: Der Glanz kehrt zurück

Am Aschermittwoch singen wir in der hl. Messe wieder mit unserer Schola gregorianischen Choral. In keiner anderen Musik sind Text und Melodie so aufeinander bezogen wie in diesen uralten lateinischen Gesängen, nirgendwo sonst wird Musik so zum Gebet wie in der Gregorianik. Gregorianik folgt nicht den heute bekannten Harmonieschemata und ist auch in einem anderen Notensystem, den sog. „Neumen“ notiert. Es braucht also ein wenig Übung bis man diesen grundsätzlich einstimmigen Gesang, der entweder nur von Männern oder nur von Frauen gesungen wird, erlernt hat. Aber wenn es dann funktioniert, hat der Klang der Choralmelodien eine fast überirdische Schönheit, so dass einem jedes bekannte deutsche Kirchenlied wie Gebölke vorkommt. Von den meist hilflos-peinlichen Rock-, Pop- und Schlagerversuchen in vorgeblich modernen Gottesdiensten gar nicht zu reden. Die Gesänge des Aschermittwoch, größtenteils dem Buch der Psalmen entnommen, folgen alle einem ähnlichen Schema: Der Mensch bekennt vor Gott seine Erlösungsbedürftigkeit, erinnert Gott an seine zuvor erwiesenen Heilstaten und geht dann getröstet mit dem Wissen um Gottes Vergebung und Barmherzigkeit seinen Weg weiter.


Ich weiß, dass viele die Gregorianik zwar als Entspannungs- oder Wellnessmusik mögen, sich aber im Gottesdienst damit schwertun: Man verstehe es ja nicht wegen der fremden Sprache, die Gesänge seien unmodern und langweilig, man könne nicht mitsingen und überhaupt habe ja das Konzil das Latein abgeschafft. Das ist, mit Verlaub gesagt, kulturloses Banausentum. Wenn wir diese Gesänge aus den alten abgegriffenen und vergilbten Büchern singen und hören, dann ist es, als wenn ein lang verlorener und vergessener Schatz gehoben wird. Es ist als wenn man eine Münze gefunden hat, die man mit Wasser und einer Bürste reinigt und die dann wieder im Glanz erstrahlt. Und so ist vielleicht auch die Fastenzeit zu verstehen: Als eine Zeit in der ich meinen Rost und Dreck vor Gott tragen kann und der mich gleichsam mit der Bürste seiner Barmherzigkeit und seiner Vergebung reinigt, damit ich wieder in neuem Glanz erstrahlen kann. Die Fastenzeit kann eine Zeit sein in der der Glanz zurückkehrt, eine Zeit, in der alles Gute, Starke und Positive in mir wie ein lang verlorener und vergessener Schatz wieder gehoben wird. Das Bußsakrament könnte dabei möglicherweise helfen. - Im Graduale des Aschermittwochs heißt es: „Erbarme dich meiner, Gott, erbarme dich meiner! Denn auf dich vertraut meine Seele. Er sandte mir Hilfe vom Himmel und befreite mich.“ – Allen eine gesegnete Zeit!