Mittwoch, 25. Mai 2016

Russische Impressionen

In der letzten Woche konnte ich an einer Reise zum russisch-orthodoxen Patriachat in Moskau teilnehmen, einer der ersten ökumenischen Begegnungen seit der gemeinsamen Erklärung von Papst Franziskus und Patriarch Kyrill. Die Eindrücke waren anrührend und bewegend.
Was die russische Kirche ausmacht, fasst für mich der Schriftsteller Wolfgang Büscher am besten zusammen:
„Die Revolution hatte in diesem Land, das nicht leben konnte, ohne zu glauben, einen religiösen Unterdruck erzeugt. (…) Ein Volk, das nie der Versuchung erlegen war, den Glauben in die Sphäre des Lebens zu zerren, für das er sein blaues Schweben bewahrt hatte, seinen Goldglanz, das mystische Leuchten. Mit Predigt und Kirchensteuer, den Waffen von Schule und Politik, konnte man Menschen nicht kommen, die in ihren Kirchen standen und nicht auf Bänken saßen und sich niemals wie eine dumme Schulklasse von einem Mann im schwarzen Talar hatten belehren lassen. Einem Volk, das stundenlang dastand und sich bekreuzigte und verneigte und betete und sang, eine Urmenge darstellend, die, wenn die Tür zum Allerheiligsten auffliegt, der Zug der bärtigen Priester teilt und der heiligen Bilder, die sie hochhalten. So war Russland gewesen, und so war es wieder. So hatte ich es immer und immer wieder gesehen.“ (Wolfgang Büscher: Berlin-Moskau, 2003).
Dem habe ich nur hinzuzufügen, dass wir eine überwältigende Gastfreundschaft und Herzlichkeit haben erleben dürfen: „Sollen sich die Politiker doch streiten, wir Christen müssen zusammen halten!“ – Danke an alle!